Zehn lange Jahre ist es nun her
Der Drow lehnt sich etwas erschöpft gegen die Wand seines Zimmers. Nur noch einmal
Morgen würde er das letzte Mal jenen Wettbewerb bestreiten, in welchem sich die Schüler von Melee-Magthere ihre Ränge erwarben. Dann wäre auch sein letztes Jahr an der Akademie abgeschlossen. Dann würde er wieder durch die Tunnel zurückgeschickt um seinem Haus Bericht zu erstatten. Vermutlich, so überlegt Rukh, würde Sael ihn jedoch wieder hierher zurückschicken. Noch braucht sie ihn nicht, schließlich ist der Waffenmeister seines Hauses noch am Leben und auch nicht so alt, als das man befürchten müsste, er würde einem seoner Konkurrenten schnell zum Opfer fallen. Und selbst wenn.. der Matrone würde es egal sein. Solange es jemanden Fähigen gab der die künftigen Krieger des Hauses ausbildet, ist es egal welchen Namen derjenige trägt. Er selbst hätte auch noch gar keine Lust zu diesem Amt, auch wenn er weiß, dass es das einzige ist, in dem er etwas Ansehen genießen kann. Wäre er Magier, nun, dann wäre noch das Amt des Erzmagiers von Shirukh anstrebbar, denn das man ihn in Menzoberanzan dann als solchen akzeptieren würde wäre illusorisch. Sein feines Gehör vernimmt aber nun Schritte und prompt hört der Drow mit dem Nachdenken auf. Auch wenn sein Zimmergenosse recht erträglich ist und er bisher von ihm auch noch keine Hinterhältigkeiten abzuwehren hatte, es gibt schließlich für alles ein erstes Mal.
Doch Ban Gharen, der Zweitgeborene des Hauses Gharen scheint in Rukh keine Gefahr für sch zu sehen. Sein trachten ist auch eher auf das erste Haus ausgerichtet, schließlich sind sie zwar beide Shirukhyr, aber als viertes Haus in der Rangfolge hat Rai'shiz nicht den Einfluss, den das zweite Haus befürchten würde. Grübelst du schon wieder?", fragt der größere Drow lachend, denn auch wenn Rukh seine Überlegungen unterbrochen hat, man kann ihm wohl doch noch ansehen, dass er nachgedacht hat. So würde ich das nicht bezeichnen Ban. Ich habe lediglich nachgedacht
Immerhin.. ist es morgen das letzte Mal dass wir uns mit den anderen messen wenn man jemanden umbringen will, würde man es nun versuchen und es wie einen Unfall aussehen lassen meinst du nicht? Und
du hast doch wen im Auge", erinnert er mit einem dünnen Lächeln, was dem anderen ein Lachen entlockt. Du bist aufmerksam Rai'shiz", erklärt er grinsend. In der Tat habe ich das. Und du kommst mr besser nicht in die Quere, hörst du. Ich weiß du hasst es, aber lauf von mir aus davon wenn du dem Erstgeborenen von Haus Tar'kem begegnest." Rukh unterdrückt ein Seufzen. Dieser Narr. Vindros Tar'kem ist viel zu schlau sich in einem Zweikampf zu stellen, das hatte er schon in den vergangenen Jahren gelernt. Denn da der Sprössling des ersten Hauses von Shirukh eher schwach in den Nahampfdiesziplinen ist, müssen seine Gegner auf Fallen achten, während Vindros gut verborgen aus der Ferne attackiert. Aber wenn Ban so gerne sterben will, soll er das ruhig tun allerdings ohne ihn. Wie du willst. Ich werde ihn in Ruhe lassen, er bedeutet mir nichts."
Schließlich ist der Tag heran und Rukh überprüft noch einmal seine Waffen. Zwei Schwerter trägt er sichtbar am Gürtel, aber wie alle Drow trägt er noch verborgene Klingen am Körper. Die Schüler der Abschlussstufe tragen echte Waffen und so kann es wirklich zu Toten kommen, auch wenn man es nicht zu offensichtlich tun sollte, damit die Meister nichts davon mitbekamen. Dann verteilen sich die Schüler in der Arena, welche eigentlich eine große Höhle ist. Stalagtiten und Stalagmiten finden sich in einer Überzahl hier, ebenso wie auch Löcher und Spalten. Rukh hält sich aus den meisten Kämpfen heraus, wenn es ihm möglich ist, greift auch er erst aus dem Hinterhalt an, schlägt seinen gegner nieder oder bewusstlos, sodass die Meister dem Verlierer mit einem blauen Licht seine Niederlage anzeigen können und der Rai'shiz verschwindet wieder in den Schatten. Mit den Stunden werden es weniger und weniger Kämpfer. Bald sind es nur noch fünf die übrig sind; Ban, Vindros, Rukh und die Zwillinge Targ und Tlek. Sie sind gewöhnliche Bürger ohne Nachnamen. Während sich Ban mit Vindros duelliert, muss sich Rukh der Zwillige erwehren. Dabei greift einer der Brüder meist von Vorn an und der zweite macht sich mit Hilfe des Piwafwi unsichtbar um aus einer anderen Richtung zu attackieren. Sie zwingen Rukh zu einem Tanz, sodass ihm der Schweiß über die Brauen läuft. Doch er würde sich nicht so leicht geschlagen geben, immerhin will er seinen ersten Platz durchaus gern verteidigen. Vor und Zurück geht der Kampf, man hört nicht wie die Klingen auf einanderschlagen welche geworfen werden oder in einem Stoss geführt. Mit einem Fusstritt schließlich schafft es Rukh, Tlek nahezu in die Klinge seines Bruders zu treiben, sodass einer der Meister schließlich eingreift und Rukh nur noch Targ gegenübersteht. Doch der Kampf wird nicht zuende geführt, denn auch hier unterbrechen die Meister schließlich und wie Rukh es wünscht, bestätigen sie ihn im ersten Rang, sowie Vindros als zweiten und Targ als dritten. Ban hingegen hat seinen Kampf nicht überlebt, ganz so, wie es von seinem Zimmergenossen vorrausgesehen worden war.
Der nächste Tag schließlich bringt die Abschlusszeremonie. Alle Absolventen der Kriegerschule werden nun nach Arach-Tinilith geschickt, wo die Priesterinnen ihnen noch einmal die Lehren der Spinnengöttin verlesen und ihnen Eide abnehmen. Rukh will eigentlich ganz und gar nicht, aber da es sein Tod wäre würde er sich weigern, spricht er die Worte nach, beugt aber den Kopf dabei, sodass es aussieht, als sei er zu beschämt um den Kopf zu heben, zu sehr in Ehrfurcht erstarrt. Dann brngt man sie in die große Halle und heißt sie warten. Lange geschieht nichts und nur ein großes Feuergefäß brennt inmitten des Raumes. Die jungen Drow sind unruhig, wagen aber nicht zu murren. Schließlich öffnen sich die Flügeltüren ein weiteres Mal und vollkommen nackt betritt die Beste der Priesterschülerinnen den Raum. Auf die jungen Männer, die zuvor noch nie eine Frau so hatten betrachten können, hat es beinahe eine umwerfende Wirkung. Die junge Frau kniet sich vor das Gefäß mit Feuer, der Herrin der Akademie zugewandt und beginnt mit einem langen und wohl auch komplizierten Zauberspruch, bei dem immer wieder ein Name zu hören ist. Urgach heißt der Dämon wohl, welchen die Drow rufen soll und es schließlich auch schafft. Das Wesen besitzt vier recht muskulöse Arme und sein Unterleib ist der einer Schlange wie es scheint. Am widerlichsten findet Rukh allerdings das Gesicht des Dämons. Eine eingedellte Nase und eine Stirn, die ihn etwas dumm aussehen lässt. Schließlich aber wird Urgach wieder gebannt und als die jungen Männer nun auch noch sehen dürfen, wie auf dem Körper der Priesterschülerin Schweiß zu sehen ist, werden ie noch unruhiger. Doch bevor mehr geschehen kann, folgen ersteinmal die anderen Schülerinnen allerdings mit Kleidung und ohne eine solche Prüfung. Die Herrin von Arach-Tinilith hält eine lange Rede was den Abschluss anbelangt und besonders wendet sie sich auch an die Shirukhyr unter den Absolventen, über die sich Menzoberranzan besonders freue. Rukh allerdings glaubt, dass man sich in der Mutterstadt höchstens über neues Kanonenfutter freut und nicht mehr. Er hängt diesem Gedanken eine Spur zulange nach, denn so bemerkt er gar nicht, wie die nackte Schülerin sich in der nun entstehenden Feier zu ihm begeben hat. Irgendetwas musste man auch auf das Feuer gegeben haben, seine Glieder fühlen sich schwer an. Unfähig irgendetwas zu tun als abzuwarten, erlebt Rukh nun, wie ihm die Hände der Frau prüfend über die Wangen gleiten, und dann auf seine Brust.
Offenbar gefällt ihr was sie durch die Kleidung hindurch spüren kann, denn sie nickt zufrieden und zieht ihn mit sich.











